Du kennst das sicher: Du legst die Lenormandkarten und stößt auf eine Kombination, in der sich zwei Karten scheinbar widersprechen. Die eine steht für Freiheit, die andere für Verpflichtung. Die eine bringt Leichtigkeit, die andere Schwere. In solchen Momenten stockt die Deutung – denn wie sollen diese gegensätzlichen Botschaften zusammenpassen? Und wie lässt sich daraus eine klare Aussage formen?
Hier sprechen wir von sogenannten Gegensatzpaaren: Kombinationen aus Symbolen, die konträr wirken und dadurch ein Spannungsfeld erzeugen. Sie gehören zu den anspruchsvollsten Situationen beim Kartenlegen, weil nicht sofort erkennbar ist, wie diese Gegensätze zu gewichten sind. Wirken beide gleichzeitig? Setzt sich eine Seite stärker durch? Heben sie sich gegenseitig auf? Oder entsteht die eigentliche Aussage erst aus genau aus diesem Widerspruch?
In diesem Artikel stelle ich dir sieben dieser Gegensatzpaare vor. Jedes Paar wird mit seinen Kernbegriffen beschrieben und durch ein Beispiel aus dem Alltag verdeutlicht. So erkennst du leichter, wie sich scheinbare Widersprüche zu einer stimmigen Deutung verbinden lassen – und kannst diese Technik bewusst in deine eigene Praxis integrieren.
Das solltest du wissen: Klassische Deutungen greifen bei diesen Kombinationen nicht immer zuverlässig. Fuchs und Hund werden häufig vorschnell als „Untreue“ gelesen. Doch das ist zu pauschal. Gerade dort, wo einfache Schlagworte nicht weiterhelfen, eröffnet die Betrachtung als Gegensatzpaar eine differenziertere Sichtweise.
Fuchs und Hund
Thema: Egoismus und Loyalität
Der Fuchs steht für Eigennutz und Hintergedanken. Er handelt nicht loyal, sondern verfolgt eigene Interessen. Seine Motivation liegt im persönlichen Vorteil, auch wenn dieser nicht sofort sichtbar ist. Der Fuchs zeigt Berechnung, taktisches Vorgehen und Handlungen, die einem verborgenen Zweck dienen. Nichts geschieht hier uneigennützig oder zufällig.
Der Hund steht für Hilfsbereitschaft, Loyalität und Aufopferung. Er handelt aus Verbundenheit, nicht aus Vorteil. Seine Motivation ist das Dienen, das Unterstützen und das Dableiben – auch dann, wenn es ihm selbst nichts bringt oder sogar etwas kostet. Der Hund zeigt Treue und echtes Engagement ohne Hintergedanken.
Erscheinen Fuchs und Hund gemeinsam, entsteht ein klares Spannungsfeld zwischen Eigennutz und Uneigennützigkeit. Für die Deutung dieser Kombination bedeutet das: Zwei völlig unterschiedliche Haltungen stehen sich gegenüber. Auf der einen Seite jemand, der aus eigenem Interesse handelt, auf der anderen Seite jemand, der hilft, unterstützt oder loyal bleibt. Dieses Paar macht sichtbar, wo Geben und Nehmen nicht im Gleichgewicht sind – oder wo Loyalität auf Berechnung trifft.
Achtung: Damit diese Dynamik zum Tragen kommt, sollte der Fuchs als Zwei-Gesichter-Karte in den Hund schauen. Mehr über den Fuchs und seine Lagen findest du in diesem Beitrag.
👉 Beispiel:
In einer beruflichen Zusammenarbeit zeigt eine Person soziales Engagement (Hund). Gleichzeitig verfolgt eine andere Person eigene Vorteile und nutzt die Situation strategisch für sich aus (Fuchs). Die Karten zeigen hier nicht Verlass auf den anderen, sondern einen deutlichen Gegensatz in der Motivation der Beteiligten.
Sense und Ring
Thema: Einmaligkeit und Wiederholung
Die Sense steht für Einmaligkeit, Spaltung und Bedrohung. Sie bringt den Moment, der alles aufbricht, der unerwartet auftritt und nicht wiederholt werden kann. Diese Karte lenkt die Aufmerksamkeit auf das, was einmal geschieht und dadurch besondere Bedeutung gewinnt.
Der Ring zeigt Wiederholung, Stetigkeit und Bindung. Er steht für Abläufe, die sich ständig wiederholen, für Prozesse, die in gleichmäßigen Bahnen laufen und immer wiederkehren. Seine Energie ist rhythmisch und beständig.
Kommen beide Karten zusammen, entsteht das Spannungsfeld zwischen einem einmaligen Ereignis und einem wiederkehrenden Prozess. Für die Deutung in der Kombination bedeutet das: Die Sense zeigt den Einschnitt, der in einen gewohnten Ablauf fällt und ihn unterbricht. Das Besondere trifft auf das Ständige – und genau dieses Nebeneinander macht sichtbar, wie fragil Kontinuität sein kann.
👉 Beispiel: Seit Jahren läuft ein familiäres Treffen immer gleich ab: dieselben Gespräche, dieselben Rituale, derselbe Ablauf (Ring). Dann fällt bei einem dieser Treffen ein einziger Satz, der die Stimmung dauerhaft verändert und eine Spaltung auslöst (Sense). Pötzlich ist alles anders. Man kann nicht mehr wegsehen, vor dem was geschieht.
Störche und Reiter
Thema: Gemeinschaft und Individualität
Die Störche stehen für Gemeinschaft, Anpassung und das Handeln in der Gruppe. Sie zeigen Situationen, in denen Menschen als Team agieren.
Der Reiter steht sinnbildlich für den „Cowboy“, für den Einzelkämpfer und das Vertreten der eigenen Interessen. Er betont den Impuls, unabhängig zu handeln und selbst den Weg zu bestimmen.
Kommen beide Karten zusammen, entsteht das Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Eigenständigkeit. Für die Deutung dieser Kombination bedeutet das: Störche und Reiter machen sichtbar, dass Teamplay und eigene Willenskraft gleichzeitig wirken – das gemeinsame Handeln und die autonome Vorgehensweise stehen nebeneinander.
👉 Beispiel: Im Beruf entsteht eine Arbeitsaufgabe, die im Team bearbeitet wird (Störche). Gleichzeitig geht eine Person ihren eigenen Weg und setzt ihren Willen entgegen der gemeinsamen Interessen durch (Reiter).
Schiff und Anker
Thema: Freiheit und Verpflichtung
Das Schiff steht für Suchen, Verabschieden, Freiheit und Abenteuer. Es bringt den Wunsch, sich zu lösen, aufzubrechen oder Neues zu erkunden.
Der Anker steht für Finden, Ankommen, Verantwortung und Verpflichtung. Er macht sichtbar, woran man gebunden ist.
Treffen beide Karten zusammen, entsteht Spannung zwischen Aufbruch und Festhalten. Für die Deutung bedeutet das: Schiff und Anker zeigen, dass Freiheit da ist – aber Verpflichtungen ebenfalls.
👉 Beispiel: Im persönlichen Leben entsteht der Wunsch, sich freier zu fühlen, alte Gewohnheiten hinter sich zu lassen oder neue Erfahrungen zu machen (Schiff). Gleichzeitig gibt es Verpflichtungen, die binden und nicht einfach abgelegt werden können – etwa familiäre Zusagen oder feste Lebensumstände (Anker).
Hier zeigt das Schiff den Drang nach Freiheit und Bewegung, während der Anker deutlich macht, wo Verantwortung und Bindung das Aufbrechen begrenzen.
Schlange und Kind
Thema: Strategie und Unbefangenheit
Die Schlange steht für Strategie und Berechnung. Sie zeigt, wo ein Weg bedacht und mit Blick auf das Ziel gewählt wird.
Das Kind steht für Planlosigkeit, Unbefangenheit und Spontaneität. Es zeigt, wo etwas ohne Berechnung geschieht – leicht, unbeschwert, aus dem Augenblick.
Zusammen entstehen Berechnung und Unbefangenheit im selben Bild. Für die Deutung dieser Kombination bedeutet das: Schlange und Kind zeigen, dass sowohl Kalkül als auch Spontaneität wirksam sind. Sie müssen einander nicht aussschließen. Diese Kombination bringt Spannung in Entwicklungen, denn sie zeigt Gegensätze zwischen Kopf und Bauch oder zwischen Absicht und Unmittelbarkeit.
👉 Beispiel: Ein Vorhaben wird sorgfältig vorbereitet (Schlange), doch im entscheidenden Moment geschieht etwas völlig Spontanes, das den Ablauf verändert (Kind). Dies ist die Chance, den Ablauf neu zu überdenken und Chancen zu ergreifen, die vorher nicht da waren.
Berg und Park
Thema: Konkurrenz und Gleichstellung
Der Berg steht für Konkurrenz, Hierarchie, Kampf und Gegeneinander. Er bringt Machtfragen mit sich und veranlasst dazu, sich nicht allein Spielfeld zu sehen, sondern in direkter Auseinandersetzung mit Mitspielern oder Gegnern.
Der Park steht für Gleichstellung, Gleichberechtigung, Miteinander und Mühelosigkeit. Er macht Begegnungen auf Augenhöhe und offene Anteilnahme sichtbar. Hier verschränken sich die Interessen.
Kommen beide Karten zusammen, stoßen Gegeneinander und Miteinander aufeinander. Für die Deutung in der Kombination bedeutet das: Berg und Park zeigen, wo Konkurrenz gleichberechtigte Strukturen blockiert oder Gleichstellung Hierarchien infrage stellt.
👉 Beispiel: In einem Unternehmen sollen alle Mitarbeiter gleichberechtigt mitsprechen dürfen (Park). Es wird für eine flache Hierarchie gesorgt. Doch bestehende Machtkämpfe und unvermeidbares Konkurrenzdenken (Berg) verhindern, dass wirklich Augenhöhe entsteht.
Wege und Kreuz
Thema: Möglichkeit und Notwendigkeit
Die Wege steht für die Möglichkeit und die Option. Sie zeigen an, wo sich eine Perspektive auftut und eine Wahl möglich ist.
Das Kreuz steht für Notwendigkeit, Forderung und Unabwendbarkeit. Es zeigt, wo kein Ausweichen möglich ist und eine Dringlichkeit besteht.
Zusammen zeigen sie, dass Wahl und Zwang im selben Bild erscheinen. Für die Deutung dieser Kombination bedeutet das: Wege und Kreuz machen sichtbar, dass jede Entscheidung von einer Pflicht bzw. einer Forderung begleitet sein kann.
👉 Beispiel: Jemand erhält das Angebot für eine neue Stelle (Wege). Doch dieses Angebot ist mit einem Umzug verbunden, der sich nicht vermeiden lässt (Kreuz). Er hat die Wahl, dieses Angebot anzunehmen, muss aber dazu die Bedingungen (Kreuz) akzeptieren. In seiner Wahl ist er nicht frei.
Widersprüchliche Karten fordern heraus. Genau darin liegt ihre Stärke. Sie zeigen, wo zwei konträre Kräfte gleichzeitig wirken und wo die eigentliche Aussage erst aus ihrer Spannung entsteht. Wenn du lernst, diese Gegensätze bewusst zu lesen, gewinnen deine Legungen an Tiefe und Klarheit.
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