Die Sense gehört zu den Zwei-Gesichter-Karten. Hier geht es um ihren Rücken, also die Stielseite. Nach meiner Lehre zeigt er die Folgen einer Vorgeschichte: Was zuvor geschehen ist, wirkt sich auf die weitere Entwicklung aus.
Diese Folgen können günstig oder ungünstig sein. Eine schwierige Entscheidung kann eine Erleichterung bringen, eine erfreuliche Veränderung später zu Problemen führen. Wie der Rücken der Sense zu deuten ist, ergibt sich aus der Situation, der Fragestellung und den beteiligten Karten.
Entscheidend dafür sind die Karten im Rücken der Sense. In aller Regel sind es bei kleinen Legungen zwei Karten. In der Großen Tafel können welche hinzukommen. Wir sehen also, was die Folge sein kann, aber wir erkennen nicht, wie und wann die Folge wirkt. Deshalb sollten wir uns bewusst machen, dass eine Folge nicht immer ein direkt eintretendes Einzelereignis ist.
Manche Folgen zeigen sich sofort, andere erst später. Sie können allmählich entstehen oder über mehrere Schritte zustande kommen. Mitunter wirken sie bereits, während wir ihren Zusammenhang mit der Vorgeschichte erst später erkennen. Genau um diese Unterschiede geht es in diesem Beitrag.
Folgen können erst später eintreten
Zwischen einer Vorgeschichte und ihrer Folge kann einige Zeit vergehen. Der Auslöser liegt dann bereits zurück, während seine Wirkung erst später entsteht.
Ein Beispiel: Jemand befragt die Karten zum Thema Beruf. Er absolviert eine Weiterbildung. Monate später wird im Unternehmen eine passende Stelle frei. Die erworbene Qualifikation eröffnet nun eine berufliche Möglichkeit. Erst jetzt entsteht der konkrete Vorteil aus der früheren Entscheidung. Somit sind Monate bis zum Eintreten der Folge vergangen.
Die Karten könnten dazu zeigen: Schlüssel (Qualifikation), Schiff, Sense

Folgen können sich schleichend entwickeln
Nicht jede Folge tritt als deutlich erkennbares Ereignis in Erscheinung. Manchmal verändert sich eine Lage allmählich. Es gibt keinen einzelnen Augenblick, in dem plötzlich alles anders ist. Stattdessen vollzieht sich die Entwicklung in kleinen Schritten.
Eine Situation kann sich nach und nach verbessern, ohne dass sich dafür ein genauer Zeitpunkt nennen lässt. Ebenso kann sie sich langsam verschlechtern. Anfangs fällt kaum auf, dass sich überhaupt etwas verändert. Erst im Rückblick wird deutlich, wohin die Entwicklung geführt hat.
Auch darin kann sich der Rücken der Sense zeigen. Die Folge ist vorhanden, macht sich aber nicht auf einen Schlag bemerkbar. Sie wächst langsam heran und wird möglicherweise erst erkannt, wenn sie bereits seit einiger Zeit wirkt.
Wer ausschließlich auf ein bestimmtes Ereignis wartet, kann eine solche Entwicklung leicht übersehen. Die Folge besteht dann nicht in einem einzelnen Geschehen, sondern im Verlauf selbst.
Manche Folgen werden erst spät erkannt
Eine Folge kann auch längst eingetreten sein, ohne dass sie sofort bemerkt oder richtig eingeordnet wird. Das ist nicht dasselbe wie eine Folge, die tatsächlich erst später entsteht.
Vielleicht fehlen zunächst wichtige Informationen. Vielleicht wird eine Veränderung einem anderen Auslöser zugeschrieben. Mitunter erscheint sie anfangs so unbedeutend, dass niemand weiter darauf achtet. Erst später wird deutlich, dass sie mit der Vorgeschichte zusammenhängt.
In diesem Fall verspätet sich nicht die Folge, sondern die Erkenntnis darüber. Ihre Wirkung ist bereits vorhanden, wird aber erst nach und nach verstanden.
Diese Unterscheidung kann bei der Deutung wichtig sein. Der Rücken der Sense muss nicht unbedingt etwas anzeigen, das noch in der Zukunft liegt. Er kann ebenso auf eine Folge hinweisen, die bereits wirkt, deren Bedeutung aber noch nicht erkannt wurde.
Ein Beispiel: Eine Selbstständige gewinnt mehrere neue Kunden und führt das auf ihre Werbung zurück. Erst später erfährt sie, dass eine frühere Kundin sie in ihrem Bekanntenkreis empfohlen hat. Die Empfehlung hatte bereits zu neuen Aufträgen geführt. Dieser Zusammenhang wird der Selbstständigen erst im Nachhinein bewusst.
Die Karten könnten dazu zeigen: Park (Kunden), Sterne („viel“), Sense

Folgen können auf Umwegen entstehen
Nicht immer führt ein gerader Weg von der Vorgeschichte zu ihrer Folge. Dazwischen können weitere Entwicklungen liegen.
Das eine führt zum nächsten, daraus ergibt sich wieder etwas anderes – und erst am Ende wird sichtbar, was durch die Vorgeschichte in Gang gekommen ist. Der Rücken der Sense kann dann eine Folge zeigen, die nicht unmittelbar entstanden ist, sondern sich erst aus weiteren Schritten ergeben hat.
Dadurch ist der Zusammenhang möglicherweise weniger offensichtlich. Auf den ersten Blick scheint die Entwicklung vielleicht gar nicht zu dem zu passen, was ihr vorausgegangen ist. Betrachtet man jedoch den Weg dazwischen, wird die Verbindung erkennbar.
Nicht immer steht die erwartete Folge im Mittelpunkt
Eine Vorgeschichte kann mehrere Auswirkungen haben. Neben der naheliegenden Folge können weitere Entwicklungen entstehen. Manchmal zeigt der Rücken der Sense nicht das erwartete Hauptergebnis, sondern eine Begleit- oder Nebenfolge.
Das bedeutet nicht, dass diese weniger wichtig sein muss. Sie liegt lediglich nicht dort, wo wir zunächst nach der Wirkung suchen würden. Während die Aufmerksamkeit auf die erwartete Entwicklung gerichtet ist, kann eine andere Folge für den weiteren Verlauf entscheidend werden.
Auch sie kann günstig oder ungünstig sein. Die Bezeichnung „Nebenfolge“ sagt nichts über ihre Bedeutung oder ihre Tragweite aus. Sie beschreibt nur, dass etwas anderes sichtbar wird als das, womit man zuerst gerechnet hat.
Kleine Folgen können sich summieren
Nicht jede weitreichende Entwicklung geht auf eine einzelne große Folge zurück. Manchmal kommen viele kleine Auswirkungen zusammen. Jede für sich scheint kaum ins Gewicht zu fallen. Gemeinsam verändern sie jedoch die Lage.
Mehrere kleine Vorteile können mit der Zeit zu einer deutlichen Verbesserung führen. Ebenso können sich scheinbar belanglose Nachteile nach und nach zu einem größeren Problem entwickeln.
Der Rücken der Sense kann also auch eine Wirkung zeigen, die erst durch die Summe mehrerer kleiner Folgen entsteht. Lange sieht es vielleicht so aus, als sei kaum etwas geschehen. Irgendwann wird jedoch spürbar, welche Wirkung die einzelnen Entwicklungen zusammen entfalten.
Das ähnelt einer schleichenden Folge, ist aber nicht ganz dasselbe. Bei einer schleichenden Entwicklung verändert sich etwas langsam. Hier fügen sich mehrere einzelne Auswirkungen zu einem größeren Ergebnis zusammen.
Ein Beispiel: Nach einem Umzug entstehen etwas höhere Fahrtkosten zur Arbeit, zusätzliche Parkgebühren und kleine Mehrkosten beim täglichen Einkauf. Jeder Betrag für sich erscheint überschaubar. Zusammengerechnet belasten diese Ausgaben jedoch das monatliche Budget deutlich. Die größere finanzielle Belastung ergibt sich aus der Summe mehrerer kleiner Folgen des Umzugs.
Die Karten könnten dazu zeigen: Fische, Turm, Sense

Aus einer Folge kann ein anhaltender Zustand werden
Eine Folge muss nicht auf ein einzelnes Ereignis beschränkt bleiben. Aus dem Vorausgegangenen kann auch ein Zustand entstehen, der längere Zeit bestehen bleibt.
Das kann eine dauerhafte Erleichterung, mehr Sicherheit oder eine anhaltende Verbesserung sein. Ebenso können Schwierigkeiten oder Einschränkungen zurückbleiben, die den weiteren Verlauf prägen.
Der Rücken der Sense entscheidet auch hier nicht, ob dieser Zustand gut oder schlecht ist. Die Wertung ergibt sich aus dem Zusammenhang. Entscheidend ist, dass der Zustand nicht aus dem Nichts entstanden ist, sondern eine Folge der Vorgeschichte darstellt.
Ein Beispiel: Nach einem schweren Vertrauensbruch herrscht in einer Beziehung dauerhaftes Misstrauen. Gespräche und gemeinsame Entscheidungen sind davon geprägt. Der Vertrauensbruch ist die Vorgeschichte. Das anhaltende Misstrauen ist der Zustand, der daraus entstanden ist.
Die Karten könnten dazu zeigen: Haus, Fuchs, Sense
Haus und Fuchs ist eine klassische Kombi für Vertrauensmissbrauch.

Situation und Fragestellung geben den Rahmen vor
Wie und wann sich der Rücken der Sense präzise auswirkt, zeigen die Karten nicht, weil sie nur die Folge abbilden. Situation und Fragestellung grenzen die möglichen Aussagen zwar ein, können aber keinesfalls alles entschlüsseln.
Trotzdem muss sich nicht jede Einzelheit aus dem Kartenbild ablesen lassen. Ob eine Folge sofort eintritt, sich langsam entwickelt, erst später erkannt wird oder über mehrere Stationen entsteht, kann zum Zeitpunkt der Legung offenbleiben. Nicht jede Zwischenstufe und nicht jede Nebenwirkung lässt sich im Voraus erfassen.
Die hier beschriebenen Möglichkeiten sind deshalb keine Liste, die bei jeder Legung Punkt für Punkt abgearbeitet werden muss. Sie zeigen vielmehr, warum sich der Rücken der Sense in der Praxis mitunter anders verwirklicht, als wir zunächst erwarten.
Fazit
Der Rücken der Sense zeigt die Folge einer Vorgeschichte. Diese Folge kann gut oder schlecht sein, was wir an den dort liegenden Karten genauer eingrenzen können. Doch wie die Folge genau wirkt und vor allem wann, bleibt offen. Sie kann unmittelbar eintreten, lange auf sich warten lassen oder sich schleichend entwickeln. Vielleicht wird sie erst spät erkannt, entsteht über mehrere Stationen, manchmal sehen wir eine Summe kleiner Auswirkungen oder einen Zustand, der länger anhält.
Situation, Fragestellung sowie die Karten im Rücken der Sense geben dabei den Rahmen vor und grenzen die Deutungsmöglichkeiten entsprechend ein. Dennoch verrät ein Kartenbild nicht zwangsläufig jede Einzelheit darüber, wann und auf welchem Weg eine Folge sichtbar wird.
Fünf Deutungstipps für die spitze Seite der Sense findest du in diesem Beitrag.
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Ich bin Kathleen Bergmann, eine der bekanntesten Lenormand-Expertinnen im deutschsprachigen Raum. Als Autorin veröffentliche ich unter anderem bei Königsfurt-Urania. Dort erscheint in Kürze auch mein nächstes Kartendeck international. Mehr von mir auf kathleen-bergmann.de und YouTube.



