Blickrichtungen in den Lenormandkarten

Blickrichtungen in den Lenormandkarten

Die Blickrichtungen spielen in den Lenormandkarten eine ausgenommen große Rolle. Zwar gibt es nur bei einer relativ kleinen Anzahl an Symbolen eine Blickrichtung, diese entscheidet aber maßgeblich darüber, wie die Karte zu deuten ist. Neben den Blickrichtungen sind auch Bewegungsrichtungen dafür verantwortlich, wie sich die Karte auf ihre Nachbarkarten auswirkt. Da es immer wieder zu Verwirrungen kommt, was die unterschiedliche Ausrichtung der betreffenden Lenormand Symbole betrifft, erkläre ich in diesem Beitrag die richtige Sicht- und Herangehensweise.

Bei welchen Lenormandkarten kommt es auf die Blickrichtung an?

Bei den Blickrichtungen denken wir als erstes an die beiden Hauptpersonen, Dame und Herr. Ihr Blick ist besonders in der Großen Tafel ausschlaggebend. Daran können wir festmachen, wo sich Zukunft und Vergangenheit befindet. Außerdem ist es interessant, ob die beiden Hauptpersonen sich ansehen oder in eine andere Richtung schauen. Aus dem Blickkontakt der beiden können wir schließen, ob sie sich beziehungsmäßig einander zu- oder abwenden, zumindest bei Liebesfragen. Auch bei den beiden anderen Personenkarten Schlange und Bär könnte man auf die Blickrichtung achten. Allerdings ist das aus meiner Sicht nur eine Option.

Allesentscheidend ist die Blickrichtung des Fuchses und der Mäuse. Nach meiner Lehre zählen die beiden zu den Zwei-Gesichter-Karten (mehr dazu in meinem Lehrbuch Der Lenormandkarten-Lehrgang, Basiskurs). Zwei Gesichter bedeutet, dass die Karte über zwei Seiten verfügt, die sich in ihrer Deutung grundlegend unterscheiden. Wie das für den Fuchs aussieht, können Sie in diesem Beitrag nachlesen oder in diesem YouTube Video ansehen. Die Blickrichtung dieser beiden Karten außer Acht zu lassen, wäre ein Fehler. Denn sie wirken sich beide massiv auf die Aussage der Nachbarkarten aus. So zeigt der Fuchs, ob etwas falsch oder richtig, ehrlich oder unehrlich ist. Hingegen legen die Mäuse offen, was mehr und was weniger wird.

Bei welchen Lenormandkarten kommt es auf die Ausrichtung und Bewegungsrichtung an?

Eine weitere Karte, die richtungsmäßig genau unterschieden werden muss, ist die Sense. Bei ihr kann man allerdings ebenso wenig von einer Blickrichtung sprechen wie bei Wolken und Berg. Bei diesen Zwei-Gesichter-Karten ist eher die Rede von der Ausrichtung, weil wir keinem Blick folgen können. Dennoch ist das Prinzip dasgleiche. Es gibt zwei gegensätztliche Seiten, deren Bedeutung starken Einfluss auf die Nachbarkarten hat.

Während Blickrichtung und Ausrichtung für die Zwei-Gesichter-Karten bestimmend sind, geht es bei den Botenkarten um die Bewegungsrichtung. Zu den Botenkarten gehören Reiter, Schiff und Störche. Hier sollten wir uns ansehen, ob sie sich nach links oder rechts bewegen. Im Gegensatz zu den Blickrichtungen verhalten sich die zwei Seiten der Bewegungsrichtung in ihrer Aussage nicht konträr zueinander. Zum Beispiel hatten wir bei den Mäusen die gegensätzlichen Bedeutungen „Mehr“ und „Weniger“, also Antagonisten. Bei der Bewegungsrichtung spielen andere Faktoren eine Rolle. Botenkarten treiben in ihrer Bewegungsrichtung eine Entwicklung voran oder initiieren eine Handlung. So ist es in meiner Lenormandlehre. Betrachten man die andere Seite, z. B. die Kehrseite des Reiters, geht es nicht um Entwicklungen. In Kombinationen haben die Botenkarten ganz normale Bedeutungen, wenn Sie mit ihrem „Rücken“ an die anderen Symbole angrenzen.

Botenkarten treiben in ihrer Bewegungsrichtung eine Entwicklung voran oder initiieren eine Handlung.

Wichtiger Merksatz für die Botenkarten

Warum unterscheiden sich die Blickrichtungen in den Lenormand Kartendecks?

Warum unterscheiden sich die Blickrichtungen in den Lenormand Kartendecks?
Viermal die Lenormandkarte Mäuse, viermal unterschiedliche Blickrichtungen

Zunächst möchte ich darauf eingehen, warum die Blickrichtungen von Deck zu Deck variieren. Denn genau deswegen entsteht bei vielen Anwendern die Orientierungslosigkeit.

Im Schaubild sehen Sie vier verschiedene Darstellungen der Lenormandkarte Mäuse. Die Mäuse links oben stammen aus dem Klassiker Blaue Eule. Alle sind wild durcheinander, so dass eine Blickrichtung kaum auszumachen ist. Ebenso auf der Karte aus dem Celtic Lenormand rechts unten. Wie man in einem solchen Fall die Blickrichtung ermittelt, erfahren Sie später. Eindeutig wird sie auf den beiden anderen Karten. Oben rechts sind die Mäuse aus meinem Lichtblick Lenormand Kartendeck abgebildet. Sie schauen nach links. Ebenso leicht erkennbar ist die Blickrichtung der Mäuse im Mondnacht Lenormand Kartendeck. Hier sind sie andersherum ausgerichtet.

Warum die Blickrichtungen von Deck zu Deck unterschiedlich sind, hat einen ganz profanen Grund: Weil sich jeder Künstler und jede Künstlerin etwas anderes dabei gedacht hat! Jedes Kartendeck hat einen eigenen Stil, der die Motivwahl beeinflusst. So entstehen verschiedene Darstellungsweisen.

Es gibt nicht einmal eine Referenz für die Blickrichtung und somit auch keinen Maßstab, wie sie eigentlich sein sollte. Selbst auf dem ältesten Kartendeck, der Blauen Eule, das als Standard Decks fürs Lenormand betrachtet wird, gibt es aufgrund der durcheinander wuselnden Mäuse keine klare Vorgabe. Wenn der Künstler anwendungsbezogene Aspekte bei der Darstellung berücksichtigt, wird er Blickrichtung, Ausrichtung und Bewegungsrichtung erkennbar gestalten.

Wie Sie mit den Blickrichtungen der Lenormandkarten richtig arbeiten

Oft werde ich gefragt, was man tun soll, wenn die Blickrichtung auf der Karte nicht eindeutig erscheint. Diese Frage ist berechtigt, denn sie zeigt, dass der Anwender oder die Anwenderin die richtungsweisenden Karten ernstnimmt. Gibt es dafür ein Universalrezept?

Tatsächlich gibt es ein Universalrezept! Aber wir müssen dafür zwei Fälle unterscheiden.

Wie gehe ich mit den unterschiedlichen Blickrichtungen um, wenn ich immer wieder mit anderen Lenormand Decks kartenlege?

Methode 1 für eindeutige Blickrichtungen, Ausrichtungen und Bewegungsrichtungen: Das Bild macht die Vorgabe

Sie richten Ihre Deutung immer an der Darstellung des jeweiligen Kartendecks aus, sofern sie darin eindeutig ist. Das, was Ihnen an Blickrichtung, Ausrichtung oder Bewegungsrichtung auf dem Bild vorliegt, ist für Ihre Legung gültig. Nehmen wir das Beispiel mit den Mäusen vom obigen Schaubild. Legen Sie z.B. mit meinem Lichtblick Lenormand, gilt der Blick nach links. Sobald Sie mit dem Mondnacht Lenormand arbeiten würden, richten Sie sich an der umgekehrten Lage der Maus aus und folgen ihr nach rechts.

Methode 2 für eindeutige Blickrichtungen, Ausrichtungen und Bewegungsrichtungen: Sie machen die Vorgabe selbst

Eine weitere Methode besteht darin, für sich einmal eine Vorgabe für jede richtungsweisende Karte einzuprogrammieren und diese konsequent beizubehalten. Zum Beispiel würden Sie für sich festlegen, dass immer etwas mehr wird, wo die Mäuse nach links blicken. Wenn Sie dann auf Mäuse treffen, die anders herum blicken, folgen Sie nicht der Darstellung, sondern ihrer Programmierung. Das funktioniert zuverlässig. Sie müssen sich nur stur daran halten. Ich wende das für die Mäuse und Füchse immer auf diese Weise an. Mich interessiert daher ihre Richtung auf der Karte gar nicht.

Wie gehe ich in den Lenormandkarten mit Blickrichtungen um, die nicht eindeutig erscheinen?

Der Kopf ist anders geneigt als der Körper

Bei Mensch und Tier kommt dieser Fall in den Abbildungen verschiedener Lenormand Decks recht häufig vor, vor allem bei den Hauptpersonen, beim Fuchs und beim Reiter.

Auch bei meinem Herrn aus dem Epic Light Lenormand konnte ich die Position nicht vermeiden. Der Torso ist nach leicht nacht rechts gewandt, der Kopf nach links geneigt. Folgen Sie immer dem Gesicht! Der Herr blickt also nach links.

Auch bei dem Fuchs aus dem Celtic Lenormand tritt der Fall auf. Der Körper ist extrem nach links geneigt, wohingegen der Kopf scharf nach rechts schaut. Das Gesicht ist ausschlaggebend! Sicherlich finden Sie in Ihren Kartendecks noch etliche Beispiele für den „Kopf-Körper-Konflikt“.
Wenn übrigens die Figur komplett gerade aus geneigt ist und geradeaus guckt, hilft ebenso nur die Anwendung der 2. Methode!

Die Richtung ist überhaupt nicht erkennbar

Wenn Sie im obigen Schaubild auf die zwei Karten mit den Mäusen achten, wo alles durcheinander wuselt, erkennen Sie sofort das Problem. Übrigens ist es mir auch bei den Störchen des Gilded Reverie aufgefallen. Hier hilft wieder nur Methode 2! Sie müssen für sich im Vorfeld eine Festlegung machen, die dann IMMER für solche diffusen Darstellungen gilt. Sie können sich darauf verlassen, dass die Methode funktioniert, sobald Sie die gewünschte Blick- oder Bewegungsrichtung bzw. Ausrichtung der Karte durch eine gezielte Intention eingeimpft haben. Für die Richtung der Schlange ist damit das Problem ebenso gelöst, denn diese ist auf den meisten Decks uneindeutig.

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