Lenormand meets Tarot: „Der Klee“ und die ihm entsprechenden Tarotkarten

Heute wird die mit dem Reiter begonnene Serie zur Gegenüberstellung von Lenormand und Tarot endlich fortgesetzt. Vergleiche zwischen dem Lenormand und den Tarotkarten sind bislang in dieser Form kaum gezogen worden. Auch wenn beide Orakel vom Aufbau grundverschieden sind und man somit die Karten nicht eins zu eins miteinander spiegeln kann, gibt es jede Menge verblüffender Zusammenhänge. Diese verborgenen Entsprechungen will ich Ihnen heute anhand des Lenormand-Klees aufzeigen.

Was bringt Lenormand mit Tarot für die Deutungspraxis:

Die Analogie zwischen einer Lenormandkarte und den ihr entsprechenden Tarotkarten des berühmten Raider Waite wird in diesem Beitrag ganz genau unter die Lupe genommen und nachvollziehbar erklärt. Die Tarotkarten, welche sich in der Lenormandkarte spiegeln, zeigen von ihr jeweils verschiedene Bedeutungsaspekte. Es handelt sich nur um eine andere Bildersprache, aber die Aussagekraft ist die gleiche!

Sie profitieren deswegen doppelt: Erstens werden Ihnen die Bedeutungen des Klees (vor allem auch die unbekannteren!) noch einmal vergegenwärtigt. Zweitens: Kennen Sie das Tarot noch nicht allzu gut, lernen Sie es anhand des Vergleichs mit dem Lenormand besser kennen und verstehen! Das Beste daran ist, dass Sie aus den Synergieeffekten nicht nur beim Lernen, sondern auch in der Deutungspraxis großen Nutzen ziehen können.

 Klee-Tarot

Der Klee entspricht

der Herrscherin: In dem Gesamtbild der Herrscherin finden sich viele Übereinstimmungen mit dem Klee des Lenormand. In der vollen Blüte ihres Lebens stehend, verkörpert die Herrscherin im Tarot unter anderem Fruchtbarkeit, Wohlbehagen und Genussfreude. Sie selbst macht einen lebensbejahenden und gelassenen Eindruck. Auffällig ist die Naturnähe der Herrscherin, die ihre Verbundenheit zu Mutter Erde zum Ausdruck bringt. Alles um sie herum scheint üppig zu gedeihen. Wenn wir genau hinsehen, entdecken wir kaum imposante Insignien der Macht wie bei der Karte des Herrschers. Bescheidenheit und Bodenständigkeit sind eben eine Tugend der Herrscherin. Sie umgibt sich lieber mit natürlichen Elementen wie Wasser und Erde. Eine besondere Parallele zum Wesen des Klees ist in der Abbildung des Raider Waite direkt zu finden: Die pflanzlichen Motive wirken alle sehr zurückhaltend und aufs Wesentliche reduziert. Keine überragenden Bäume, keine ausladende Blumenpracht – weder im Hintergrund noch in der Zierde der Herrscherin (siehe Grafik). Nichts soll den Anschein von übertriebener Verehrung und weltfremdem Glanz erwecken. Auch der Klee, der selbst kaum groß wächst, möchte seinem Betrachter die Vorzüge des Minimalismus nahebringen.

Trotz aller Bescheidenheit erinnert er als wachstumsfreudiges Pflänzchen an die schönen Dinge des Lebens. Allerdings nicht im Großformat, sondern im kleinen, zarten und unauffälligen. Es ist das Glück eines besonderes Moments, einen herzhaften Lachens, einer köstlichen Mahlzeit oder eines einmaligen Naturerlebnisses, das uns in Verzücken und gute Laune versetzt. Wir werden uns der Schönheit des Lebens bewusst, spüren seinen Sinn und seine Sinnlichkeit. Fast könnte man meinen, der Klee ist im Garten der Herrscherin ihr liebstes Kind, denn ihre beiden Botschaften verbinden sich: Den positiven, schöpferischen Aspekten mehr Aufmerksamkeit zu schenken, nicht alles zu ernst zu nehmen und die Erkenntnis, dass es nicht immer etwas Großes braucht, um sich groß zu fühlen.

der 8 der Stäbe: Der Klee ist eine der wenigen, sehr zuverlässigen Zeitkarten des Lenormand. Bekanntlich steht er für eine kurze Dauer bis zum Eintreten eine Ereignisses oder einer Entwicklung. Als Zeitkarte ist er der 8 der Stäbe sehr ähnlich. Denn auch sie kann die schnelle Bewegung, das rasche Eintreffen ankündigen. An den acht Stäben, die im Raider Waite dynamisch ins Bild ragen, ist die rasende Geschwindigkeit förmlich anzusehen. Interessanterweise wachsen aus den Stäben winzige Triebe, deren Blätterform denen des Klees gleicht (siehe Grafik). Fast könnte man meinen, es handle sich um Kleeblätter, auch wenn diese selbstverständlich nicht aus Holz wachsen. Jedenfalls beweist das kleine Grün an den Stäben, dass etwas bereit ist, zu wachsen. Es geht, einen Anfang zu machen, und sei der erste Schritt dazu auch noch so klein. Diese Botschaft steht in Einklang mit der des Klees, der uns ebenso mitteilt: Alles fängt einmal klein an!

der 2 der Münzen: Huch, was hat denn ein jonglierender, bunt gekleideter Narr mit einem einfältig erscheinenden grünen Pflänzchen zu tun? Das Bild der Tarotkarte liefert uns auf den ersten Blick wenig hilfreiche Hinweise. Jedoch könnte die Farbe Grün einen gemeinsamen Nenner schaffen. Grün ist das Band, in dem die beiden Münzen schwingen (siehe Grafik). Es gleicht einer liegenden Acht, welche die wellenförmige Bewegung des Lebens symbolisiert. Wenn es im Spiel des Lebens abwärts geht, folgt darauf nach naturgegebener Gesetzmäßigkeit auch wieder ein Aufschwung. Wir kennen diese Botschaft von der Karte des Sarges, der nicht zufällig der Zahl 8 zugeordnet ist. Wie wir wissen, spiegeln sich im 4×9 Legesystem des Lenormand die zweite und die achte Karte – Klee und Sarg!Im Tarot können wir eine erstaunliche Parallele entdecken: Die Zwei der Münzen spiegelt die Qualität der Zahl 8 in Form einer grünen Lemniskate, die vom Jüngling spielerisch ausbalanciert wird. Die grüne Farbe soll dabei wie das Grün des Klees signalisieren, dass etwas in den Kinderschuhen steckt. Noch unausgegoren, aber durchaus bereit, zu reifen. Die Zwei der Münzen vermittelt eine gewisse Unbeschwertheit im Umgang mit den sich bietenden Möglichkeiten. „Es gibt noch keinen Grund sich festzulegen“, will uns der verspielte Narr sagen, der noch völlig grün hinter den Ohren ist. Im Hintergrund gleiten zwei Segelschiffe auf großen Wellen. Welches der junge Mann für den Antritt seiner Lebensreise wählen wird, ist noch unbestimmt. Vielleicht verweilt er lieber noch ein Weilchen an Land, wo er gerade an seiner artistischen Darbietung Gefallen findet. Noch gibt es im jungen, unbekümmerten Dasein des Narren mangels Weisheit und Erfahrung keine festen Ziele und verbindlichen Zusagen. Alles ist Fluss, aber nicht in geregelten Bahnen.

Der Bogen zum Klee ist nun, da wir auch das Hintergrundgeschehen der Tarotkarte herangezoomt haben, leicht zu spannen. Denn das Schiff folgt auf den Klee! Die große Lebensreise steht bevor! Es geht auf zu neuen Ufern. Aber die Zeit davor, ist eine Zeit der Leichtigkeit, des Spiels und der guten Hoffnung. Kein Wunder, dass uns der Klee genau wie die Zwei der Münzen dazu ermuntern möchte, erst die Möglichkeiten des eigenen Potentials auf spielerische, unbefangene Weise auszuloten, bevor die Segel in eine bestimmte Richtung gesetzt werden und ein neues Lebensprojekt begonnen wird. Denn bevor man die große, anstrengende Reise in unbekannte Gefilde antritt, kann man ruhig noch ein bisschen Spaß haben.

Interessiert Sie die Verbindung aller anderen Lenormandkarten und ihren Entsprechungen im Tarot, finden Sie die Gesamtübersicht in meinem neuen Buch „Die fabelhafte Welt des Lenormand“.

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